Wikipedia und Wahrheit

Quellen für eine Quellenkritik

...Autoren ihr Wissen gerne und weiterhin kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen (...)
Informationen und Bildung für jedermann.
[Maria May: Jaron Lanier: Digitaler Maoismus. Seminar bei
Professor Stang (WS 06/07), Hochschule der Medien, Stuttgart]
(...) eine grandiose Idee, inspiriert vom Geist der Aufklärung.
[Karin Janker, Thomas Urban 2019]
Auf einem Misthaufen kann auch mal eine Orchidee blühen. Und so einen riesigen Misthaufen
wie das Internet hat es überhaupt noch nie gegeben, das ist ja ein Mount Everest aus Mist.
[Hans Magnus Enzensberger, in: das Magazin 30/2005,
Samstagsbeilage des Zürcher Tages Anzeigers]

Auch nach Jahren wird ein Mensch, welcher sich noch wundern kann, immer wieder erstaunt und begeistert sein, welch umfangreiche und gut aufbereitete Informationen im Netz zu finden sind - allen voran bei Wikipedia. Dort ist eine Wissensbasis von bisher nicht gekannter Größe entstanden. Für jedermann 24 Stunden, 7 Tage die Woche zugänglich, kostenlos und (zumindest Stand heute) werbefrei. Mit über 2 Millionen Stichwörtern dokumentiert Wikipedia heute ein Vielfaches an Informationen im Vergleich beispielsweise zum Brockhaus (300.000 Stichwörter in der 30-bändigen Ausgabe, Stand: April 2010). In Tests hat Wikipedia die Online-Ausgabe des Brockhaus (150.000 Stichworte) oder auch Microsoft Encarta geschlagen, insbesondere natürlich, was Aktualität angeht, aber auch unter den Aspekten Breite (Abdeckung) und Tiefe (Ausführlichkeit) und ganz besonders im Bereich der Naturwissenschaften, siehe [ZEIT 2004, stern 2007, Wiegand 2007]. Zur Beliebtheit von Wikipedia dürfte nicht zuletzt beigetragen haben, dass man - unter Angabe der Quelle und der Lizenz - Texte und Bilder aus Wikipedia-Artikeln weiterverwenden darf ("freie Information").

Wie verlässlich und vertrauenswürdig ist Wikipedia?

Druckfehler und - bewusste oder unbewusste - Falschinformation finden sich ebenso in Büchern, Magazinen und Zeitungen. Woher also im Fall von Wikipedia die Besorgnis, ob man sich als Nutzer auf die dort angegebene Information verlassen kann?


Nach einer Idee von GraphJam

Hin zu einem bewussten und kritischen Umgang mit der Wikipedia

Zunächst vorab: diese Webseite verfolgt nicht das Ziel, Wikipedia zu diskreditieren. Das wäre auch ziemlich verrückt - schließlich ist die Wikipedia für mich zu einem fast täglichen, geradezu unverzichtbaren Begleiter geworden. Nicht zuletzt, um der Wikipedia etwas zurückzugeben, arbeite ich auch aktiv mit an der Wikipedia.

Wikipedia ist eine unverzichtbare Ressource. Eine reflektierte Nutzung der Wikipedia - im Sinne von Medienkompetenz - entsteht jedoch nicht von selbst. Das Projekt Wikipedia verdient, dass man konkret hinsieht, anstatt im Allgemeinen zu bleiben. Diese Webseite ist daher dem Ziel gewidmet, Unterstützung zu bieten bei einer Quellenkritik der Wikipedia, indem konkrete Fehler und Schwächen in der Wikipedia am Einzelfall aufgezeigt werden. Denn Fehler und Schwächen existieren. Gleichzeitig wiederum wird gerade so deutlich, wie wenig in der Wikipedia wirklich falsch ist. Das beruhigt und versachlicht - gerade in Zeiten von "Fake News".

Die hier versammelten Einzelbeispiele zeigen letztlich auf, dass die üblichen Strategien, die Zuverlässigkeit eines Textes zu bewerten, bei dem Organismus Wikipedia schwierig zu handhaben sind bzw. letztlich versagen, vgl. [klickSafe]. Hand auf's Herz: Wer liest schon täglich eine konservative Zeitung, eine liberale Zeitung und eine linke Zeitung parallel, um sich ein ausgewogenes Bild zu verschaffen? In der Wikipedia aber finden sich Zeitungsleser aller Couleur als Autoren zusammen, um eben solch ein Bild zu schaffen. Wikipedia ist menschengemacht, mit allen Stärken und Schwächen. Und so ist Wikipedia auch ein Abbild der Gesellschaft und des Zeitgeistes.

Diese Einzelbeispiele sprechen jedoch
nicht gegen die freie Enzyklopädie,
sondern lediglich für die nötige Distanz beim Lesen.
[Dorothee Wiegand 2007]
Im Vergleich zu den gedruckten Medien ist sein Wirkungsgrad [d.h. des Internets] nicht selten viel tausendfach größer. Viele alte Probleme erhalten damit eine neue Qualität und Brisanz. Um damit fertig zu werden, sind noch mehr Wachsamkeit, professionelle Sorgfalt und gesunde Skepsis gefordert als bisher. (...) Je leichter Wissen zugänglich ist, umso wichtiger ist es, dass die Nutzer lernen, es nach Relevanz und Wahrheitsgehalt zu bewerten und äußerst selektiv zu nutzen.
[Albert Endres 2006]
Quellen
[klickSafe] Woran erkennt man einen guten Wikipedia-Artikel? Wie funktioniert Wikipedia? Informationen zur Recherche, Einschätzung der Verlässlichkeit u.v.a.m., klicksafe.de, Teil der EU-Initiative CEF für mehr Sicherheit im Internet
[JU 2019] Karin Janker, Thomas Urban: Wikipedia: Der Schwarm versagt. Süddeutsche Zeitung, 7. Oktober 2019
[Möll 2007] Andreas Möllenkamp: Wer schreibt die Wikipedia? Die Online-Enzyklopädie in der Vorstellungs- und Lebenswelt ihrer aktivsten Autoren. Magisterarbeit, Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig, 2007
[spiegel.de 2017] Wikipedia-Schreibwettbewerb: Stachelschweine, ein Onkel im Morgenrock und ein Ex-Präsident. spiegel.de, 5. November 2017
[Jaki 2018] Julia Jaki: Weiß, männlich, Wikipedia. Die ZEIT, 24. Juli 2018
[stern 2007] Wikipedia schlägt Brockhaus. stern, 5. Dezember 2007 [Zusammenfassung; Besprechung auf Spiegel Online]
[Vallely 2006] Paul Vallely: The Big Question: Do we need a more reliable online encyclopedia than Wikipedia? The Independent, 18. Oktober 2006
[Wiegand 2007] Dorothee Wiegand: Entdeckungsreise - Digitale Enzyklopädien erklären die Welt. ct 6, 2007, Heise.de [Vergleich der vier Lexika Bertelsmann Enzyklopädie 2007, Brockhaus multimedial premium 2007, Encarta 2007 Enzyklopädie und Wikipedia im Hinblick auf u.a. Bedienung, Ausführlichkeit/Aktualität, Neutralität/Sprache und Verständlichkeit anhand von über 140 breit gestreuten Testbegriffen.]
[Wiki-Watch] Wiki-Watch. Arbeitsstelle im Studien- und Forschungsschwerpunkt Medienrecht der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
[ZEIT 2004] Thomas J. Schult: Lernen vom Schinken in Scheiben. Was taugen die aktuellen Enzyklopädien auf CD-ROM und DVD? Ein Test. DIE ZEIT, Nr. 43, 14. Oktober 2004
[ZEIT 2006] Kerstin Kohlenberg: Die anarchische Wiki-Welt. Die ZEIT, Nr. 37, 7. September 2006 [Lesenswerter Artikel über die Entstehung der Wikipedia, ihre Gründungsväter Jimmy Wales und Larry Sanger und deren Philosophie]




Dr. Emden-Weinert created: 2010/04/29, last changed: 2019/11/02